Ärztin unter Verdacht

Heimliche Spritzen während Akupunktur? / Staatsanwalt ermittelt

Von Jör­gen Link­er – erschienen am 26.11.16 in der DILL-POST (Veröf­fentlichung mit fre­undlich­er Genehmi­gung des Ver­lags) → Online-Aus­gabe

Frau Recht­san­wältin Faßben­der ist in diesem Ver­fahren auf Patien­ten­seite tätig, vgl. auch DILL-POST vom 14.02.17.

DILL-POST vom 26.11.16 (Klick­en zum Ver­größern des Artikels)

ASSLAR/WETZLAR Eine Ärztin aus Aßlar soll Patien­ten während Akupunk­turbe­hand­lun­gen heim­lich Cor­ti­son­spritzen geset­zt haben. Die Staat­san­waltschaft in Wet­zlar ermit­telt wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung.

Patien­ten bericht­en gegenüber dieser Zeitung von Auf­fäl­ligkeit­en bei den Akupunk­turbe­hand­lun­gen, von schmerzhaften Ein­stichen in den Po, obwohl dort keine Akupunk­tur­punk­te seien. Und sie bericht­en von gesund­heitlichen Verän­derun­gen, von typ­is­chen Cor­ti­son-Neben­wirkun­gen: von aufge­dun­se­nen Gesichtern, von Haa­raus­fall, vom Aus­bleiben der Men­stru­a­tion, von Schwächun­gen des Immun­sys­tems. Bei ein­er Pati­entin habe der Ver­dacht bestanden, dass ihr Kör­p­er kein eigenes Cor­ti­sol mehr her­stelle, dass ein Tumor in der Niere dafür ver­ant­wortlich sein kön­nte. Sie wäh­nte sich in Lebens­ge­fahr.

Ein Dop­ingkon­trol­l­la­bor in Kreis­cha bestätigt: Im Kör­p­er der Patien­ten war von außen zuge­führtes Cor­ti­son, stets mit dem gle­ichen Wirk­stoff. Das Labor hat­te Urin und Haarproben der Patien­ten auf Rück­stände unter­sucht.

Der Anwalt der Ärztin bestre­it­et die Vor­würfe.

Die Polizei durch­suchte die Prax­is­räume in Aßlar und stellte Beweis­mit­tel sich­er

Er spricht von ein­er Kam­pagne. Man gönne sein­er Man­dan­tin den medi­zinis­chen Erfolg nicht. Zudem könne der im Labor ent­deck­te Cor­ti­son-Wirk­stoff auch durch Sal­ben, die sich hau­tund allergiekranke Patien

ten selb­st verabre­icht hät­ten, zus­tande gekom­men sein. Die Patien­ten wider­sprechen: Sie hät­ten keine solche Sal­ben benutzt. Außer­dem seien Medika­mente mit Cor­ti­son-Wirk­stoff ver­schrei­bungspflichtig, und anhand der Patien­te­nak­ten bei ihren Ärzten sei nach­prüf­bar, dass sie solche Medika­mente nicht erhal­ten hät­ten.

Nach Angaben der Staat­san­waltschaft in Wet­zlar liegen bis­lang acht Anzeigen vor. Die Polizei habe die Prax­is­räume zweimal durch­sucht und Beweis­mit­tel sichergestellt.