Arzthaftung bei Gesundheitsschaden wegen eines Befunderhebungsfehlers bei der Rachenverletzung eines Kleinkindes durch einen Plastiklöffel mit anschließender Infektion

BGH, Entschei­dung vom 05.11.2013, Az.: VI ZR 527/12

Das Beru­fungs­gericht hat die Ursäch­lichkeit des Befun­der­he­bungs­fehlers für die bei dem Kind einge­trete­nen Fol­gen, ins­beson­dere für den hypox­is­chen Hirn­schaden, im Ergeb­nis mit Recht bejaht.

a) Die von der höch­strichter­lichen Recht­sprechung entwick­el­ten Grund­sätze für die Beweis­las­tumkehr für den Kausal­itäts­be­weis bei groben Behand­lungs­fehlern find­en allerd­ings grund­sät­zlich nur Anwen­dung, soweit durch den Fehler des Arztes unmit­tel­bar verur­sachte haf­tungs­be­grün­dende Gesund­heitsver­let­zun­gen (Primärschä­den) in Frage ste­hen. Für den Kausal­ität­snach­weis für Folgeschä­den (Sekundärschä­den), die erst durch die infolge des Behand­lungs­fehlers einge­tretene Gesund­heitsver­let­zung ent­standen sein sollen, gel­ten sie nur dann, wenn der Sekundärschaden eine typ­is­che Folge des Primärschadens ist (vgl. Sen­at­surteile vom 28. Juni 1988, VI ZR 210/87, vom 16. Novem­ber 2004, VI ZR 328/03, vom 12. Feb­ru­ar 2008, VI ZR 221/06, vom 02. Juli 2013, VI ZR 554/12). Für die Haf­tung für Schä­den, die durch eine (ein­fach oder grob fehler­haft) unter­lassene oder verzögerte Befun­der­he­bung ent­standen sein kön­nten, gilt nichts anderes.