Behandlungsfehler

Ein Schadenser­satzanspruch infolge ein­er fehler­haften ärztlichen Behand­lung entste­ht nur dann, wenn dem Arzt ein Behand­lungs­fehler nachgewiesen wer­den kann und durch diesen ärztlichen Fehler ein Gesund­heitss­chaden bei dem Patien­ten einge­treten ist.

Nach­fol­gend wer­den die Anforderun­gen an diese bei­den Voraus­set­zun­gen näher beleuchtet. Wir berat­en Sie gerne indi­vidu­ell und über­prüfen die Erfol­gsaus­sicht­en eines Vorge­hens gegen den behan­del­nden Arzt.

Behand­lungs­fehler

1.    Def­i­n­i­tion

a)    der ein­fache Behand­lungs­fehler

Dies ist das Abwe­ichen des Ist- Stan­dards der ärztlichen Behand­lung vom Soll-Stan­dard.

Der Soll-Stan­dard bildet die Grund­lage der Beurteilung jed­er ärztlichen Behand­lung. Hierunter ver­ste­ht man den zum Zeit­punkt der Behand­lung herrschen­den medi­zinis­chen Stan­dard, d.h. der aktuelle Stand in der Wis­senschaft und der ärztlichen Erfahrun­gen. Dieser medi­zinis­che Stan­dard ist häu­fig in Leitlin­ien der jew­eili­gen Fachge­sellschaft man­i­festiert.

Von einem Arzt kann erwartet wer­den, dass er diejeni­gen Maß­nah­men durch­führt, die von einem gewis­senhaften und aufmerk­samen Arzt aus der Sicht seines Fachge­bi­etes voraus­ge­set­zt und erwartet wer­den. Hier­bei ist auf den Stand eines Facharztes abzustellen.

Wichtig ist in diesem Zusam­men­hang, dass bei der Beurteilung der Frage des Vor­liegens eines Behand­lungs­fehlers der medi­zinis­che Stan­dard zum Zeit­punkt der ärztlichen Behand­lung zugrunde gelegt wird, da der Behan­dler zu dem dama­li­gen Zeit­punkt neuere Erken­nt­nisse aus Wis­senschaft und Forschung noch nicht ken­nen kon­nte und deren Anwen­dung nicht schuldete. Eine ex-post-Betra­ch­tung (Beurteilung aus nachträglich­er Sicht) ver­bi­etet sich.

Abwe­ichen­der Ist-Stan­dard

Ist der Soll-Stan­dard ermit­telt, so ist in einem zweit­en Schritt zu prüfen, ob die tat­säch­lich durchge­führte Behand­lungs­maß­nahme diesem Soll- Stan­dard entspricht.

Liegt ein ein­fach­er Behand­lungs­fehler vor, so muss der Patient, die Voraus­set­zun­gen eines Behand­lungs­fehlers sowie dessen Ursäch­lichkeit für den einge­trete­nen Gesund­heitss­chaden beweisen.

b)    der grobe Behand­lungs­fehler

dieser liegt vor bei einem ein­deuti­gen Ver­stoß des Arztes gegen bewährte ärztliche Behand­lungsregeln oder gesicherte medi­zinis­che Erken­nt­nisse. Der dadurch began­gene Fehler muss aus objek­tiv­er Sicht nicht mehr ver­ständlich erscheinen, da er einem Arzt schlech­ter­d­ings nicht unter­laufen darf.

Die Fest­stel­lung eines solchen groben Behand­lungs­fehlers führt zu ein­er Beweis­las­tumkehr für den ursäch­lichen Zusam­men­hang zwis­chen dem Behand­lungs­fehler und dem sog. Primärschaden, wenn der Behand­lungs­fehler geeignet ist, den einge­trete­nen Schaden zu verur­sachen. D.h. es wird ver­mutet, dass der Primärschaden, d.h. die direk­te Folge des ärztlichen Fehlver­hal­tens, auf dem Behand­lungs­fehler beruht.

Dieser gefes­tigte Grund­satz der Recht­sprechung ist nun im Rah­men des neuen Patien­ten­rechtege­set­zes in § 630h Abs. 5 BGB kod­i­fiziert wor­den.

Nach wie vor hat der Patient aber den Behand­lungs­fehler und den einge­trete­nen Primärschaden in bei­den Fällen von Behand­lungs­fehlern zu beweisen.

Nicht jede von einem Patien­ten als schlecht emp­fun­dene ärztliche Behand­lung stellt einen Behand­lungs­fehler dar. Ist eine Behand­lung nach dem medi­zinis­chen Stan­dard noch nachvol­lziehbar, so stellt diese Behand­lung grund­sät­zlich keinen Behand­lungs­fehler dar.

Daher ist es bei Ver­dacht auf das Vor­liegen eines Behand­lungs­fehlers drin­gend anzu­rat­en, sich von einem auf das Medi­z­in­recht spezial­isierten Recht­san­walt berat­en zu lassen.