Behandlungsfehler – Fallgruppen

  1. Befun­dung
    1. Befun­der­he­bungs­fehler

      Ein Befun­der­he­bungs­fehler liegt vor, wenn die Erhe­bung medi­zinisch geboten­er Befunde unter­lassen wurde.

      Es wird wie beim Behand­lungs­fehler zwis­chen einem ein­fachen und einem groben Befun­der­he­bungs­fehler unter­schieden.

      Ein ein­fach­er Befun­der­he­bungs­fehler ist anzunehmen, wenn der Arzt es unter­lassen hat, einen medi­zinisch gebote­nen Befund rechtzeit­ig zu erheben oder zu sich­ern, soweit der Befund mit hin­re­ichen­der Wahrschein­lichkeit ein Ergeb­nis erbracht hätte, das Anlass zu weit­eren Maß­nah­men gegeben hätte, und wenn das Unter­lassen solch­er Maß­nah­men grob fehler­haft gewe­sen wäre, § 630h Abs. 5 S. 2 BGB.

      Von einem groben Befun­der­he­bungs­fehler spricht man, wenn die unter­lassene Befun­der­he­bung aus objek­tiv medi­zinis­ch­er Sicht nicht mehr ver­ständlich ist.

    2. Befund­sicherungs-/ Doku­men­ta­tions­fehler

      Ein solch­er Befund­sicherungs- oder Doku­men­ta­tions­fehler liegt vor, wenn aus medi­zinis­ch­er Sicht gebotene und tat­säch­lich auch erhobene Befunde nicht durch den Arzt gesichert bzw. nicht gegen Ver­lust geschützt wur­den.

      Die Patien­te­nak­te muss nach dem Abschluss der Behand­lung 10 Jahre auf­be­wahrt wer­den. Diese Verpflich­tung zur Auf­be­wahrung der Patien­te­nak­te wurde nun durch das neue Patien­ten­rechtege­setz in § 630f Abs. 3 BGB man­i­festiert.

  2. Diag­nose­fehler

    Ein Diag­nose­fehler ist gegeben, wenn der Arzt erhobene oder son­st vor­liegende Befunde falsch inter­pretiert und deshalb nicht die aus der berufs­fach­lichen Sicht seines Fachge­bi­etes gebote­nen ther­a­peutis­chen oder diag­nos­tis­chen Maß­nah­men ergreift.
  3. Ther­a­piefehler

    Der behan­del­nde Arzt hat bei der Wahl der geeigneten Ther­a­pie grund­sät­zlich einen Beurteilungsspiel­raum. Hier­bei hat er sich an den Gegeben­heit­en des konkreten Einzelfall­es, sein­er eige­nen Erfahrung sowie der Geschick­lichkeit in der Behand­lungsmeth­ode zu ori­en­tieren.

    Auch muss der Arzt nicht unbe­d­ingt den sich­er­sten ther­a­peutis­chen Weg wählen. Aus­nahm­sweise kann eine riskan­tere Behand­lungsmeth­ode durch einen gün­stigeren Heilungsver­lauf gerecht­fer­tigt wer­den.

    Ein Ther­a­piefehler liegt daher vor, wenn der behan­del­nde Arzt auf einen erhobe­nen, reak­tion­spflichti­gen Befund nicht oder ver­spätet reagiert oder wenn er eine dem medi­zinis­chen Stan­dard entsprechende Behand­lungsmeth­ode nicht bzw. nicht kor­rekt anwen­det.

  4. Organ­i­sa­tions­fehler bei der Behand­lung:

    Der Arzt oder Kranken­haus­träger hat grund­sät­zlich dafür Sorge zu tra­gen, dass Behand­lungsabläufe so organ­isiert sind, dass die hygien­is­chen und appa­r­a­tiv­en Stan­dards gewahrt wer­den. Zudem fällt die sachgerechte Überwachung der nichtärztlichen Mitar­beit­er, aber auch deren Auswahl und Anweisung, unter diesen Punkt.

    Ein solch­er Organ­i­sa­tions­fehler fällt in das voll beherrschbare Risiko des Arztes oder Kranken­haus­trägers, d.h. die Gefahr kann von Seit­en des Arztes oder Kranken­haus­trägers voll beherrscht und aus­geschlossen wer­den.