Frakturen

Frak­turen sind Kon­ti­nu­ität­sun­ter­brechun­gen eines Knochens. Man unter­schei­det trau­ma­tis­che, die durch direk­te oder indi­rek­te Gewal­tein­wirkung her­vorgerufen wer­den oder atrau­ma­tis­che Entste­hung. Sie kön­nen mit ver­schiede­nen Dis­loka­tions­for­men ein­herge­hen. Es kann zu ein­er Rota­tions­fehlstel­lung, ein­er Gelenksver­schiebung mit Ver­längerung, eine Gelenksver­schiebung mit Verkürzung, ein­er Seit­en­ver­schiebung oder ein­er Achsknick­ung kom­men.   Nach den ver­schiede­nen Unfallmech­a­nis­men unter­schei­det man bei voll­ständi­gen Frak­turen unter anderem Abscher­frak­turen, Abriss­frak­turen, Biegungs- und Tor­sions­frak­turen, Kom­pres­sions­frak­turen, Berstungs­frak­turen, Trüm­mer­frak­turen, Defekt‑, Stress- und pathol­o­gis­che Frakturen.

Es wird weit­er zwis­chen offe­nen und geschlosse­nen Frak­turen unter­schieden, die wiederum in ver­schiedene Grade eingeteilt wer­den.   Häu­fig kommt es auch zu ein­er Lux­a­tion. Dies ist ein voll­ständi­ger oder unvoll­ständi­ger Kon­tak­tver­lust gelenkbilden­der Knoch­enen­den.  Jede frische Lux­a­tion muss rasch reponiert und anschließend ruhig gestellt werden.

Häu­fige Frakturen:

  • Klav­ic­u­lar­frak­tur ist ein Bruch des Schlüs­sel­beins und nach dem Bruch der Spe­iche der zwei­thäu­fig­ste Knochen­bruch bei Erwachsenen.
  • Scapu­lafrak­tur, ein Bruch des Schulterblatts.
  • Prox­i­male Humeruskopffraktur
  • Humeruss­chaft­frak­tur
  • Dis­tale Humerusfraktur
  • Radiusköpfchen­frak­tur
  • Frak­turen der Hand­wurzel­knochen und der Mittelhandknochen
  • Fin­ger­frak­turen
  • Beck­en­ringfrak­turen
  • Femurfrak­turen
  • Femurkopf­frak­tur
  • Patel­la- Fraktur
  • Tib­i­akopf­frak­tur
  • Mit­tel­fußfrak­tur
  • Frak­turen der Fußwurzel
  • Zehen­frak­turen

Häu­fige Luxationen:

  • Schul­ter­lux­a­tion
  • Ellen­bo­gen­lux­a­tion
  • Radiusköpfchen­lux­a­tion
  • Fin­ger­lux­a­tion
  • Hüft­ge­lenkslux­a­tion
  • Patel­la- Luxation
  • Sprungge­lenkslux­a­tion
  • Kniege­lenkslux­a­tion
  • Knochen­lux­a­tion

Osteosyn­these

Darunter ver­ste­ht man die oper­a­tive Ver­sorgung von Knochen­brüchen und anderen Knochen­ver­let­zun­gen mit Met­allplat­ten. Ziel ist dabei die Fix­ierung der Frag­mente gegeneinan­der in ein­er möglichst nor­malen Stel­lung. Dies wird Repo­si­tion genannt.

Behand­lungs­fehler
bei Frak­turen am Beispiel des Urteils des Landgerichts Karl­sruhe vom 20.02.2009 (Az.: 6 O 115/07):  

Frak­tur des Ellen­bo­gen­ge­lenks des 2 Jahre und 3 Monate alten Klägers  Bei Rönt­ge­nun­ter­suchung in zwei Schicht­en kam der behan­del­nde Arzt zu dem Ergeb­nis: epikondyläre Ober­arm­frak­tur mit Gelenk­beteili­gung und ein­er min­i­malen Ver­schiebung der Frag­mente  Behand­lung: Gipsver­band nach 3- 4 Wochen ent­fer­nt und weit­ere Rönt­ge­nun­ter­suchung. Dabei wurde eine Fehlstel­lung (Dis­loka­tion) des mit­tler­weile zusam­mengewach­se­nen Knochens fest­gestellt. Diese Dis­loka­tion wurde durch die nach­fol­gende kinder­chirur­gis­che Oper­a­tion nicht behoben.  Das Landgericht war insofern der Auf­fas­sung, dass die unter­lassene Weit­er­ver­weisung an einen Kinder­chirur­gen bzw. die unterbliebene Anord­nung ein­er eng­maschi­gen und zeit­na­hen Rönt­genkon­trolle bei dieser speziellen Ver­let­zung eines 2 Jahre und 3 Monate alten Kindes einen groben Behand­lungs­fehler darstellt. Dies ins­beson­dere deshalb weil der erst­be­han­del­nde Arzt dadurch die Aufk­lärung des Behand­lungsver­laufs beson­ders erschw­erte.  Durch die Bejahung des groben Behand­lungs­fehlers tritt eine Beweis­las­tumkehr zugun­sten des Patien­ten ein.  Höhe des Schmerzens­geldes von 6.000,- €

Höhe des Schmerzens­geldes beispiel­haft bei Ver­let­zun­gen am Arm/ Schulter

Schul­ter­dys­tok­ie mit Arm­läh­mung; Arzthaf­tung, Geburts­fehler 65.000,00 — 85.000,00€

Clav­ic­u­lafrak­tur, Heilungsverzögerung, Pseudoarthrose; 3 Wochen >50% Min­derung der Erwerb­stätigkeit (MdE), Dauer­schaden 20% MdE 5.000,00 — 8.500,00 €

Ober­arm­frak­tur, 14 Tage sta­tionär, kom­p­lika­tion­slose Heilung 2.200,00 — 5.750,00 €

Ampu­ta­tio­nen der vier Fin­ger ein­er Hand bis auf den Dau­men, Ein­schränkung der Beruf­saus­sicht­en 25.000,00 €

Nekrosen an Fin­gern und Zehen (Arzt­fehler), voll­ständi­ger und teil­weis­er Ver­lust von mehreren Fin­gern bei­der Hände, Vernar­bung aller Zehen, 100% Grad der Behin­derung 72.000,00 €

Bruch des Unter­arms mit zwei sta­tionären Kranken­hausaufen­thal­ten von ins­ge­samt zwölf Tagen, zwei oper­a­tiv­en Ein­grif­f­en, Pflegebedürftigkeit der Stufe 1 auf ein Jahr; verbliebene Ein­schränkung der Beweglichkeit des Handge­lenks und Min­derung der groben Kraft der recht­en Hand als Dauer­schaden 4.000 € (im entsch­iede­nen Fall wur­den wegen eines Mitver­schuldens von 50 % nur rund 2.000 € zugesprochen)
OLG Frankfurt/Main vom 29.01.2003, Az. 19 U 211/02

Höhe des Schmerzens­geldes beispiel­haft bei Ver­let­zun­gen des Oberschenkels 

Bei­d­seit­ige Ober­schenkel­frak­tur, starke Gehbe­hin­derung, Geschäft­sauf­gabe, 60% Min­derung der Erwerb­s­fähigkeit (MdE);
Aus­geprägte Weichteil­quetschung des Ober­schenkels, großflächige entstel­lende Nar­ben, Sitzprob­leme, Ner­ven­schä­den, 30% MdE 55.000,00 — 65.000,00 €

Ober­schenkel­trüm­mer­frak­tur, bei­d­seit­ige Unter­schenkel­frak­tur mit Bein­län­gen­dif­ferenz, Poly­trau­ma, hink­endes Gang­bild, Erhe­bliche Nar­ben + Weichteilde­fek­te; bei Dauer­schaden: 45% (MdE) + Ampu­ta­tion­s­ge­fahr  63.000,00 — 130.000,00 + 300,00 € mtl.

und bei Ver­let­zun­gen des Fußes

Offene Fersen­be­in­frak­tur mit aus­gedehn­ter Weichteil­ver­let­zung, 6 Monate Heilungs­dauer 5.300,00 €

Kom­plizierte Frak­tur des Mit­tel­fuß­knochens, deut­liche Bewe­gung­sein­schränkun­gen, hink­endes Gang­bild, Beruf­sauf­gabe, Ampu­ta­tion­sangst 23.600,00 €

Fußam­pu­ta­tion, Ampu­ta­tion der 1. und 4. Zehe des anderen Fußes, wochen­lange Lebens­ge­fahr, viele Oper­a­tio­nen 84.000,00 €