Gesamtschuldnerausgleich bei grob fehlerhafter ärztlicher Behandlung eines Verkehrsunfallgeschädigten mit der Folge einer hypoxischen Hirnschädigung infolge Sauerstoffunterversorgung

  1. Der Verur­sach­er eines Verkehrsun­falls wird nicht von der Haf­tung für Folgeschä­den des ver­let­zten Unfal­lopfers (hier hypox­is­ch­er Hirn­schaden) frei, nur weil diese in weit­en Teilen durch einen groben Behand­lungs­fehler des nach dem Unfall erst­be­han­del­nden Kranken­haus­es verur­sacht sind.
  2. Gle­ich­wohl kann bei der Abwä­gung der Schädi­ger­beiträge im Zuge des Gesamtschulde­naus­gle­ichs der Beitrag des Verkehrsun­fal­lverur­sach­ers (hier Verur­sachung ein­er Lun­genkon­tu­sion und ein­er Rip­pense­rien­frak­tur) durch Fahrzeugkol­li­sion voll­ständig hin­ter den Beitrag des Kranken­haus­es (hier hypox­is­ch­er Hirn­schaden wegen fehler­hafter Reak­tion auf Tubus­block­ade) zurück­treten, wenn der Beitrag des Zweitschädi­gers wesentlich eher geeignet ist, Schä­den der konkreten Art her­beizuführen. Eine schwere kom­plette Quer­schnittsläh­mung (hohe Hals­mark­läh­mung) kann ein Schmerzens­geld von 300.000,00 € recht­fer­ti­gen.

OLG Old­en­burg, Urteil v. 08. Juli 2015, 5 O 28/15