Verletzungen des Oberschenkelknochens

Der Ober­schenkel­knochen, lateinisch Femur, beste­ht aus einem lan­gen Schaft und einem kurzen Schenkel­hals, auf welchem die Kugel des Hüftkopfes sitzt. Der Ober­schenkel­knochen ist im Bere­ich des Schaftes sehr sta­bil. Hier kommt es zu Knochen­brüchen in der Regel nur, wenn eine starke Gewal­tein­wirkung auf den Knochen trifft, wie z. B. bei einem Autoun­fall. Dage­gen treten Brüche in der Nähe des Kniege­lenkes oder am Ober­schenkel­hals sehr häu­fig bei älteren Men­schen auf, ins­beson­dere Frauen. Ursache hier­für ist häu­fig eine Osteo­porose.

1.Fraktur des Oberschenkelkopfes

Die Frak­tur des Ober­schenkelkopfes tritt ins­ge­samt rel­a­tiv sel­ten auf. Ins­beson­dere bei einem Anprall des betrof­fe­nen Beines gegen das Arma­turen­brett bei einem Autoun­fall kann es zu einem Kraft­stoß von den Knien über den Ober­schenkel­knochen auf den Ober­schenkelkopf kom­men, so dass der Ober­schenkelkopf mit Gewalt in das Hüft­ge­lenk gepresst wird. Folge ist dann häu­fig ein Bruch des Ober­schenkelkopfes und der Hüft­ge­lenksp­fanne.

Brüche des Ober­schenkelkopfes wer­den in ver­schiedene Schw­ere­grade eingeteilt. Je nach Schwere der Ver­let­zung und Lage des Knochen­bruch­es kann ein Bruch des Ober­schenkelkopfes kon­ser­v­a­tiv behan­delt wer­den oder muss oper­a­tiv ver­sorgt wer­den. Kom­bi­na­tionsver­let­zun­gen mit Bruch des Ober­schenkel­halses oder der Hüft­ge­lenksp­fanne müssen oper­a­tiv ver­sorgt wer­den.

2. Oberschenkelhalsfraktur

Sie ist eine typ­is­che Ver­let­zung eines älteren Patien­ten nach einem banalen Sturz aus dem Stand. Die Ober­schenkel­hals­frak­tur wird unter­schiedlich eingeteilt. Es wird unter­schieden in dis­lozierte und nicht dis­lozierte Knochen­brüche. Bei einem dis­lozierten Knochen­bruch befind­et sich der Knochen nicht mehr in sein­er ursprünglichen Form und Lage und die Bruch­stücke sind zueinan­der ver­rutscht. Bei einem nicht dis­lozierten Knochen­bruch ist der Knochen zwar gebrochen, aber nicht abgerutscht.

Nach der Klas­si­fika­tion nach Pauwels unter­schei­det man drei Stufen.

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Therapie

kon­ser­v­a­tiv nur bei einges­taucht­en, nicht dis­lozierten Brüchen inner­halb der Gelenkp­fanne.

oper­a­tiv

-kopfer­hal­tend: Geschlossene Repo­si­tion und Osteosyn­these, danach

  1. a) Ver­schraubung mit Spon­giosazugschrauben als Not­fall-OP unter 6 Stun­den.
  2. b) Dynamis­che Hüftschraube, Gam­ma-Nagel, Winkelplat­te.

 

-kopf-resezierend:

  1. a) Duokopf­prothese (Schenkel­hals und –kopf wer­den durch eine Prothese erset­zt, die Hüftp­fanne bleibt erhal­ten.
  2. b) Total­en­do­prothese (TEP = Ersatz von Schenkel­hals, -kopf- und Hüft­ge­lenksp­fanne).

 

3.per- und subtrochantäre Oberschenkelfraktur

Hier­bei han­delt es sich um Brüche zwis­chen dem Ober­schenkel­hals und dem Ober­schenkelschaft. Entschei­dend ist, ob es sich um einen sta­bilen oder insta­bilen Bruch han­delt. Ist der Trochanter minor (der zur Beinin­nen­seite gewandte Vor­sprung) eben­falls gebrochen, dro­ht der sich darüber befind­liche Schenkel­hals bei Belas­tung abzu­rutschen. Die Frak­tur gilt damit als insta­bil.

 

Die Ther­a­pie erfol­gt oper­a­tiv.

  1. Schienung des Knochens von innen (intramedul­läres Ver­fahren): Prox­i­maler Femur­nagel.
  2. Schienung des Knochens von außen (extramedul­läres Ver­fahren): Dynamis­che Hüftschraube und min­i­ma­l­in­va­sive Plat­te PCCP.
  3. Alter­na­tivver­fahren, Endo­prothese und Kondylen­schraube.

 

4. Oberschenkelschaftbruch

Ther­a­pie

bei Erwach­se­nen immer oper­a­tiv.

  • Ver­riegungs­mark­nagel, nicht bei gle­ichzeit­igem Tho­rax­trau­ma wegen Lun­genem­bolierisiko,
  • Plat­tenos­teosyn­these,
  • Fix­a­teur externe.

 

Bei Kindern und Jugendlichen

kon­ser­v­a­tiv:

  • Beck­en-Beingips.

oper­a­tiv:

  • Intramedul­läre Schienung
  • Fix­a­teur externe
  • Plat­tenos­teosyn­these.

 

5.Distaler Oberschenkelbruch

Bei einem dis­tal­en Bruch des Ober­schenkels han­delt es sich um einen knien­ahen Bruch des Endes des Ober­schenkel­knochens.

Ther­a­pie oper­a­tiv:

  • interne Osteosyn­these
  • wenig inva­sive Plat­te (LISS)
  • ret­ro­grad­er Mark­nagel
  • 95 ° Kondylen­plat­te
  • Kondylen­ab­stütz­plat­te
  • Dynamis­che Kondylen­schraube (DCS)
  • Lock­ing com­pres­sion plate (LCP)

 

Eine kon­ser­v­a­tive Behand­lung ist nur bei nicht abgerutscht­en ein­fachen Brüchen außer­halb des Kniege­lenkes möglich. Gips für 6 – 8 Wochen.

 

Bei dis­tal­en Femurfrak­turen ist bei offe­nen Brüchen und/oder bei ein­er Ver­let­zung der Gefäß-Ner­ven-Straße ein sofor­tiges Han­deln gefordert. Anson­sten ist eine Ver­sorgung inner­halb der ersten 24 Stun­den anzus­treben.