200.000,00 € Schmerzensgeld Frontalhirnsyndrom nach Verletzung der Schädelbasis bei einer Nasennebenhöhlenoperation

Bei dem Kläger war durch einen niederge­lasse­nen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am 06.09.2011 eine oper­a­tive Kor­rek­tur der Nasen­schei­de­wand, eine Behand­lung der unteren Nasen­muschel und ein Ein­griff im Bere­ich der Nasen­neben­höhlen durchge­führt wor­den. Nach der Oper­a­tion wachte der Kläger nicht auf. Ein durchge­führtes MRT zeigte eine Ein­blu­tung ins Gehirn, woraufhin der Kläger in die Neu­rochirur­gis­che Klinik eines Uni­ver­sität­sklinikums ver­bracht und dort am 14.09.2011 operiert wurde. Bei dieser Oper­a­tion wurde eine Ver­let­zung der Schädel­ba­sis auf der recht­en Seite im hin­teren Abschnitt des Siebbein­daches auf ein­er Strecke von 1 x 2 cm fest­gestellt.

Das Gericht hat für eine Schädi­gung mit Frontal­hirn­syn­drom, welch­es mit ein­er mit­tel­gr­a­di­gen psy­chomo­torischen Ver­langsamung, ein­er erhe­blichen Ver­min­derung des Antriebs, ein­er leicht­gr­a­di­gen Depres­sion, ein­er Affek­t­min­derung bis zur Affek­t­niv­el­lierung, ein­er räum­lichen Ori­en­tierungsstörung leichteren Grades, eines ver­min­derten Selb­st­wert­ge­fühls, Unentschlossen­heit, Aufmerk­samkeits- und Konzen­tra­tionsstörun­gen, ins­beson­dere im Hin­blick auf Dauer­aufmerk­samkeit­sleis­tun­gen sowie Libidover­lust ver­bun­den ist, ein Schmerzens­geld von 200.000,00 € für angemessen erachtet. Darüber hin­aus liege ein irre­versibler Ver­lust des Riechver­mö­gens vor. Der Sachver­ständi­ge hat aus den fest­gestell­ten Ver­let­zun­gen zuläs­sig auf die Ver­let­zung der Pflicht zum sorgfälti­gen Vorge­hen in dieser Region unter Ver­let­zung der Regel, nicht medi­al der Land­marke vorzuge­hen, geschlossen. Das Vorge­hen des behan­del­nden Hals-Nasen-Ohre­narztes sei schlech­ter­d­ings nicht ver­ständlich gewe­sen. Zudem habe eine Indika­tion oder ein Anlass zum Operieren im Bere­ich des ver­let­zten Siebbeines nicht bestanden.

OLG Köln, Urteil vom 13.04.2016, 5 U 107/15