Zu spät erkannter Darmverschluss

Eine Pati­entin kann vom Kranken­haus und vom ver­ant­wortlichen Arzt 90.000 € Schmerzens­geld beanspruchen, weil ein Dün­ndar­mver­schluss zu spät erkan­nt und behan­delt wurde und ihre Gesund­heit auf­grund dieses groben Behand­lungs­fehlers dauer­haft erhe­blich beein­trächtigt ist.

Sachverhalt:

 Die Klägerin begab sich wenige Tage nach ein­er plöt­zlich aufge­trete­nen Übelkeit in die sta­tionäre Behand­lung des beklagten Kranken­haus­es und wurde im Fach­bere­ich des mitverk­lagten Arztes aufgenom­men. Ende des Jahres musste sie im Kranken­haus not­fallmäßig operiert wer­den, weil sich ihr Gesund­heit­szu­s­tand weit­er ver­schlechtert hat­te. Dabei stellte man einen aus­geprägten Ver­schluss des Dün­ndarms fest, der bere­its zum teil­weisen Abster­ben eines Darmteils und zu ein­er Per­fo­ra­tion des Darms geführt hat­te.

Der Dar­mver­schluss war zu spät erkan­nt und behan­delt wor­den.

Rechtliche Würdigung:

 Das Schadenser­satzbegehren der Klägerin war weit­ge­hend erfol­gre­ich.

Vor der Not­op­er­a­tion sind notwendi­ge diag­nos­tis­che und ther­a­peutis­che Maß­nah­men grob fehler­haft unter­lassen wor­den. Auf­grund anhal­tender Beschw­er­den und noch nicht ermit­tel­ter Ursachen hätte der in Betra­cht kom­mende Ver­schluss des Dün­ndarms frühzeit­ig abgek­lärt wer­den müssen, was unterblieben ist.

Durch eine frühzeit­igere chirur­gis­che Behand­lung des Dar­mver­schlusses wäre mit hoher Wahrschein­lichkeit das Abster­ben des Darmteils und die Per­fo­ra­tion zu ver­hin­dern gewe­sen. Die Klägerin lei­det an einem Kurz­darm­syn­drom, so dass ihr Dün­ndarm Fette und fet­tlös­liche Sub­stanzen nicht mehr richtig aufnehmen kann. Auch diese Folge der Dar­mverkürzung ist der grob fehler­haften Behand­lung zuzurech­nen. Weit­ere Schadens­fol­gen sind zudem eine Osteo­porose mit Wirbel­brüchen und eine von der Klägerin erlit­tene Depres­sion.

Die von der Klägerin als Folge des Behand­lungs­fehlers erlit­te­nen erhe­blichen gesund­heitlichen Beein­träch­ti­gun­gen, die zum Teil lebenslang fortbeste­hen und auch ihre Arbeit­sun­fähigkeit begrün­den, recht­fer­tigten ein Schmerzens­geld in der vom Sen­at zuerkan­nten Höhe.

Gericht:                                 OLG Hamm
Entschei­dungs­da­tum:       21.11.2014
Akten­ze­ichen:                     26 U 80/13